Schriftsteller solidarisieren sich mit den Besetzern

Wien, 26. Oktober 2009

Während sich am Heldenplatz das Bundesheer von seiner besten Seite präsentiert und am Rathausplatz Sicherheitskräfte eine Leistungsschau abhalten, feilen die Studenten im seit vier Tagen besetzten AudiMax der Universität Wien weiter an ihren Forderungen und beraten die weitere Vorgangsweise. An ein Ende der Besetzung wird nicht gedacht, ganz im Gegenteil. Mit Isolde Charim, Klaus-Werner Lobo und Robert Menasse waren diesen Montag bekannte Schriftsteller als Podiumsgäste geladen, die den Studierenden ihre Solidarität bekundeten und ihre Erfahrungen weitergaben.

Vor einem zum Bersten gefüllten AudiMax, der eigentlich nur für 800 HörerInnen ausgelegt ist, sprachen die Schriftsteller den Anwesenden ihre Solidarität aus und betonten, wie wichtig freier Hochschulzugang und eine angemessene Finanzierung des Bildungswesen sind, um sogleich mit Beispielen aus ihrem Leben Erfahrungen weiter zu geben. So hätte Robert Menasse gar nicht studieren können, wäre er nur wenige Jahre früher geboren. Die sozialen Reformen und Erleichterungen des Hochschulzugangs unter Bildungsminister Sinowatz in der Regierung Kreisky waren die entscheidenden Gründe für seine Eltern, „Robby“ mit einem Studium die Chance auf einen „sozialen Aufstieg der Familie“ zu gewähren. Umso enttäuschter muss Menasse heute auf die Entwicklung der letzten 30 Jahre zurückblicken, in denen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jährlich gewachsen ist, der Anteil der Bildungsausgaben daran jedoch seither geschrumpft ist und Errungenschaften wie Studierendenfreifahrt wieder abgeschafft wurden.

Isolde Charim wiederum war an den wenig erfolgreichen Studentenprotesten von 1987 beteiligt, der einen großen Politisierungsschub für alle Beteiligten brachte. Dass der Protest damals nicht erfolgreicher verlaufen sei, lag ihrer Meinung daran, dass die Forderungen zu breit gestreut waren und die Solidarisierung eher mit anderen Studierenden und Schülern gesucht werden hätte sollen, denn mit der Arbeiterschaft. Denn „es gibt eine unglaubliche Misere bereits in der Schule“, man könne aber „nicht den Kapitalismus gleich als solchen abschaffen, das wäre tatsächlich eine zu große Aufgabe“.

Klaus-Werner Lobo betont, dass Bildung „nicht nur zweckorientiert“ sein darf, sondern auch „eine Herzensangelegenheit“ sein muss. Studieren sei keine Ausbildung, auch „zweckfreies“ Studieren ist ein Wert an sich, der Erfahrungen und Erkenntnisse fürs Leben bringt. In seinem Studium habe Lobo gelernt, die Gesellschaft mitzugestalten. „Jeder von uns ist Politikerin und Politiker, jeder kann Politik machen.“ Und selbst wenn die Forderungen der Studierenden nicht erfüllt werden sollten, stellt der Protest bereits jetzt einen Erfolg da. Die häufig als rückgratlose „Generation Praktikum“ kleingeredete Gruppe der unter 30-Jährigen begehrt auf.