Solidaritätserklärung der IG externer LektorInnen und freie WissenschafterInnen

Liebe BesetzerInnen des Audimax,

die IG Externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen verfolgt mit großer Freude und Anteilnahme Eure nun schon seit mehreren Tagen andauernden Aktivitäten. Binnen kürzester Zeit habt ihr geholfen eine breite Bewegung entstehen zu lassen, tragfähige Strukturen geschaffen, Ideen erarbeitet und damit Impulse für Veränderungen an den Universitäten gesetzt.

Wie schon mehrfach gegenüber der Presse erklärt, solidarisiert sich die IG Externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen mit euren Forderungen. Dies nicht nur, weil viele davon – auch jenseits eures sehr begrüßenswerten Eintretens gegen prekäre Arbeitsverhältnisse an den Unis – sich mit unseren ureigenen Interessen decken.

Als Interessensvertretung von UniversitätslektorInnen beobachten wir seit Jahren eine Verschlechterung der Situation der Lehre mit Folgen für die Studierenden, aber auch für uns Lehrenden. Unsere eigenen prekären Beschäftigungsverhältnisse als LektorInnen sind dabei nur ein Teil einer Zerstörung der Universitäten als Ort der Einheit von Forschung und Lehre und der kritischen Reflexion über Wissenschaft und Gesellschaft.

Um nur zwei Beispiele zu nennen: Der in den letzten Jahren erfolgte Rückbau demokratischer Entscheidungsstrukturen an den Universitäten hat auch zu einer weiteren Marginalisierung der LektorInnen (wie auch die Studierenden in Summe mehrheitlich weiblich) und ihrer Einflussmöglichkeiten geführt. Die unzureichende Finanzierung der Hochschulen und die daraus folgenden mangelhaften Studienbedingungen begründen schon seit vielen Jahren andauernde Unzumutbarkeiten sowohl für Studierende als auch für Lehrende, die etwa – zum selben Gehalt und ergo sinkendem Reallohn – mitunter das zwei- oder dreifache der vorgesehenen Zahl an Studierenden betreuen.

Wir stimmen mit euch überein: Nicht „zu viele Studierende“, sondern „zu wenig Mittel“ ist ein zentrales Problem. Nicht Zugangsbeschränkungen und/oder Studiengebühren, sondern verbesserte Mittelausstattung muss daher Teil der Lösung sein. Euer Forderungskatalog spricht eine Reihe weiterer Missstände an, und auch diese Liste könnte noch ergänzt werden, etwa um die faktische Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse von UniversitätsassistentInnen in der Folge des heuer beschlossenen Kollektivvertrags oder die geplante Ausdünnung der Vielfalt an Themen und Zugängen in der Lehre bei gleichzeitiger drastischer Reduktion der externen Lehrenden durch die Einführung von „Senior Lecturers“. Letzteres ist auch ein entscheidender Schritt zur Zerstörung der forschungsgeleiteten Lehre und damit der Universitäten wie wir sie kennen.

In diesem Sinne erklären wir unsere Solidarität mit eurem Protest, der auch der unsere ist, und wünschen Euch und damit uns viel Erfolg!

IG externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen, Wien am 26. Oktober 2009