SOLIs aus Hamburg und Berlin: Die Universitäten brennen überall!

Die Universitäten brennen überall!
Solidarität mit den Streikenden in Österreich

In Österreich (Universität Wien, TU Wien, Akademie der Bildenden Künste Wien, Universität Graz und an weiteren Orten) finden seit der letzten Woche andauernde Besetzungen und Aktionen statt. Gefordert werden demokratische und sozialere Universitäten, Masterplätze für alle, die Abschaffung von Studienbeschränkung in der gesamten EU, eine stärkere Gleichstellung von Frauen, ein Ende von Prekarisierungen und die Ermöglichung eines freieren Studiums.

Die Aktiven in Österreich kritisieren, was nicht nur Österreichische, sondern gleichermaßen auch Probleme der Deutschen Bildungslandschaft sind. Das gesamte hiesige Bildungssystem wird immer weiter ent-demokratisiert, weder Schulen noch Hochschulen sind ausfinanziert. Die soziale Selektion wird durch Änderungen an den Schulsystemen – immer noch keine Gesamtschulen und gleichzeitig die Beschleunigung der Schullaufbahn durch das 12-jährige Abitur – weiter verstärkt. Es reicht also nicht, dass Menschen durch Bachelor- und Master-Studienprogramme kaum noch kritisch studieren können. Es reicht auch nicht, dass sie an den meisten Orten durch Studiengebühren zusätzlich eingeschränkt oder gleich ganz am Studium gehindert werden. Und es reicht nicht, dass es keine Masterplätze für alle gibt. Vielmehr passiert das alles gleichzeitig. So steigt der Effizienzdruck ins Unermessliche und der soziale Zusammenhalt zwischen Studieren wird durch Konkurrenzbeziehungen ersetzt.

An den Hochschulen wird zudem gleichzeitig zur wiederholt sich verstärkenden Prekarisierung der Dienstverhältnisse die Unabhängigkeit der Forschung immer weiter gefährdet: Im Denken von Hochschullehrer/-innen kommt es immer mehr auf Drittmittel und die sog. „internationale Sichtbarkeit“ an. Weder das eine noch das andere wird dabei an irgendeiner Stelle ausreichend reflektiert – zu sehr ist der Wissenschaftsbetrieb schon jetzt beschleunigt, fremdgesteuert und/oder kommerzialisiert.

Schüler, Studierende und Lehrende, wie alle Menschen in der Gesellschaft, befinden sich also in derselben Situation. Universitäten und Hochschulen, Schulen und letztlich die ganze Gesellschaft brennen auch ohne Besetzungen.

Und deshalb ist Protest gerechtfertigt, ja sogar nötig. Bildungs- und Wissenschaftspolitik müssen endlich entsprechend eines ganzheitlichen Bildungsbegriff handeln und Forderungen nach einem System ohne soziale Selektion erfüllen. Wir erklären uns solidarisch mit dem Protest der Aktiven in Österreich. Wir fordern eine Revision des Bologna-Prozesses unter studentischer Beteiligung. Wir fordern die Abschaffung von Studiengebühren und die Einführung von Gesamtschulen. Wir fordern politische Prozesse, die nicht mehr zum Inhalt haben, „Effizienz“ zu steigern, sondern Bildungschancen für alle gerecht zu gestalten. Denn Bildung ist ein Gemeingut und muss als solches für alle offen stehen! Weltweit.

Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Universität Hamburg
Fachschaftsrat Biologie der Universität Hamburg
Regenbogen / Alternative Linke Hochschulgruppe an der Universität Hamburg
CampusGrün Hamburg
Fachschaftsrat Sozialökonomie der Universität Hamburg
Fachschaftsrat Skandinavistik der Universität Hamburg
Offene Gruppe in der Erziehungswissenschaft (Universität Hamburg)
Fachschaftsrat Sonderpädagogik der Universität Hamburg
Fachschaftsrat Physik der Universität Hamburg
GEW Studierendengruppe Hamburg
Fachschaftsinitiative am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin
Fachschaftsräte Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg

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