Solidaritätserklärung der Zentrumsvertretung für Molekulare Biologie

Liebes Protestplenum,

die ÖH Zentrums- und Studienvertretungen für Molekulare Biologie an der Universität Wien verfolgen euren Einsatz für die Rechte der Studierenden in Österreich teils aktiv, jedoch in jedem Fall positiv und bekunden daher ihre Solidarität in der Forderung einer längst notwendigen Veränderung des Bildungssystems.

In diesem Zusammenhang erscheinen uns folgende fünf Punkte für besonders essentiell, die unserer Meinung nach mit die Grundlage einer Bildungsdiskussion darstellen sollen:

:: Angemessenes Budget für Bildung und Forschung!

Die Bildungsausgaben des siebtreichsten Landes der Welt sind gemessen am BIP und auch an den Gesamtstaatsausgaben seit 1995 rückläufig – überdies werden 45 % der Forschungsausgaben von der Privatwirtschaft getragen, ein Zustand, der dem Prinzip der freien universitären Forschung widerspricht. Für die Unterstützung von Banken und private Unternehmen, welche nach der Krise an Einzelpersonen Zusatzzahlungen leisten, welche das Lebensgehalt der Durchschnittsösterreicherin übersteigen, war zu jeder Zeit Geld budgetierbar. Bildung und Forschung blieben dabei jedoch auf der Strecke. Wir fordern daher die radikale Anhebung des Bildungs- und Forschungsbudgets zur zusätzlichen Schaffung von Studienplätzen, adäquaten Studienbedingungen und freier universitärer Forschung in Österreich! Die längst Fällige Besteuerung von Vermögenszuwächsen und Finanztransaktionen würde dafür zusätzlichen Spielraum schaffen.

:: Barrierefrei studieren!

Der unter BK Kreisky geschaffene freie Hochschulzugang wurde besonders unter Schwarz-Blau nach und nach abgebaut. Die geforderte Erhöhung der AkademikerInnenquote soll anscheinend ohne Studierende umgesetzt werden! Die Einhebung von Studienbeiträgen zur Mitfinanzierung der Universitäten hat viele Studierende gezwungen, ihr Studium auf Grund von schwer finanzierbaren Ausgaben abzubrechen oder durch zusätzliche Erwerbsarbeit zu verzögern. Der versprochene Ausbau der Universitäten durch diese zusätzlichen Mittel ist jedoch ausgeblieben – noch immer sitzen wir in überfüllten Hör- und Übungssälen, das Betreuungsverhältnis ist katastrophal und universitäre Forschung muss durch private Unternehmen, deren Interessen natürlich berücksichtig werden müssen, mitfinanziert werden. Wir fordern daher die Abschaffung aller finanziellen Zugangsbeschränkungen, die einzig und allein dazu dienen, die Versäumnisse des Staates bei der Finanzierung des Bildungssystems auszugleichen und keinerlei zusätzliche Mittel für das Bildungssystem darstellen.

:: Fair statt prekär!

Der Bologna-Prozess hat in Österreich Studienabschlüsse geschaffen, zu denen es kein reales oder nur ein oberflächliches Qualifikationsprofil gibt. Dies führt zwangsläufig zu einer Erhöhung der Arbeitslosenquote unter AkademikerInnen bzw. zwingt diese, in prekäre Dienstverhältnisse einzutreten. Aus einer Studie der neuBASIS Wien geht hervor, das bereits jetzt 62% der AbsolventInnen der Meinung sind, dass prekäre und unterbezahlte Arbeitsverhältnisse die Regel im Berufseinstieg darstellt. Wir fordern daher die Überdenkung der Umsetzung des Bologna-Prozesses in Studienrichtungen, in denen die Einführung des dreigliedrigen Systems nur der quantitativen und qualitativen Selektion vor dem Eintritt in das „Haupt-“Masterstudium dient und keinerlei relevante Qualifikationen nach Abschluss des ersten Grades schafft.

:: Orientierung darf keine Barriere darstellen!

Die Einführung einer Studieneingangs- und Orientierungsphase als versteckte Zugangsbeschränkung ist abzulehnen! Vielmehr soll eine anfängliche Orientierungsphase dazu dienen, dass sich Studierende mit dem Fach vertraut machen und allfällige Fehlentscheidungen ehestmöglich korrigieren können.Wir fordern daher: Keine versteckten quantitativen Zugangsbeschränkungen hinter der STEP! Die Anzahl der erforderlichen Prüfungen soll dabei in einem überschaubaren Rahmen bleiben um keine zusätzliche Verzögerung des Studiums zu schaffen, die Studierende aus finanziellen oder zeitlichen Gründen dazu bewegen, eine andere Studienwahl zu treffen.

:: Europaweit einheitliche Standards

Die Protestaktionen der letzten Tage und Wochen wurden angesetzt, um eine positive Veränderung des österreichischen Bildungssystems zu schaffen. Dieses Bewusstsein muss auch an unsere KollegInnen in den Nachbarländern weitergegeben werden. Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, sollen selbst entscheiden dürfen, an welchem Ort oder zu welcher Zeit sie sich weiterbilden möchten – niemand darf jedoch dazu gezwungen werden, durch finanziellen Druck oder auf Grund von qualitativen oder quantitativen Zugangsbeschränkungen zu emigrieren, um ihr/sein Recht auf Bildung in Anspruch nehmen zu können! Wir fordern daher die europaweite Errichtung eines freien Hochschulzugangs nach einheitlichen Gesichtspunkten, denn Bildung muss für uns alle in gleichem Maße verfügbar sein!

Wir heißen daher die Teilnahme an den friedlichen und konstruktiven Protestaktionen gut, denn nur gemeinsam können wir unsere Forderungen auch in genügender Lautstärke zur Geltung bringen!