Betriebsrat des wissenschaftlichen Universitätspersonals der Uni Wien

zur Protestbewegung an den österreichischen Universitäten:

Der Protest der Studentinnen und Studenten an Österreichs Universitäten besteht zu Recht! Man muss der Protestbewegung grundsätzlich Dank und Anerkennung aussprechen, weil es ihr gelungen ist, in der Öffentlichkeit eine Diskussion über die Mängel der Bildungs- und Forschungspolitik zu initiieren, die nicht nur von den Medien positiv wahrgenommen wird, sondern auch die Politik dazu zwingt, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

  • 2004 wurden die Universitäten mit dem UG02 ausgegliedert, ohne ihnen die dazu nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Vielmehr ging die Ausgliederung mit einem Sparpaket einher und man ist vom Sparkurs bis heute nicht abgegangen. Die Folge ist, dass die Studienbedingungen in etlichen Fächern mittlerweile derartig schlecht geworden sind, dass ein sinnvolles Studieren nicht mehr möglich ist.
  • Die Proteste richten sich nicht nur gegen die Verknappung der Mittel, sondern auch gegen die Folgen eines Universitätsgesetzes, das zu einem Verlust von Mitbestimmung und Mitgestaltung geführt hat.
  • Dass Universitäten seit jeher die Gesamtheit von Lehrenden und Studierenden sind, gilt nicht länger. Studierende und Lehrende werden nur noch als Kostenfaktoren bzw. „Human Resources“ verstanden.
  • Zwar wird von Seiten der Politik und der Medien immer wieder die Bedeutung von Bildung hervorgehoben; es scheint sich dabei allerdings nur um „Employability“ zu handeln und nicht um soziale Kompetenzen und eine umfassende Bildung, die es den Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, positiv an der Entwicklung der Gesellschaft unter sich stetig ändernden Bedingungen mitzuwirken.
  • Politik und Sparpakete haben auch dafür gesorgt, dass immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Universitäten nur noch befristete Arbeitsverträge nach dem „Hire & Fire“-Prinzip erhalten, die eine Lebensplanung unmöglich machen und auch der Qualität von Lehre und Forschung abträglich sind.
  • Die groß angekündigte Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit besseren Anfangsgehältern wurde dadurch unterlaufen, dass es aus Einsparungsgründen lediglich Teilzeitbeschäftigungen gibt.
  • Der Bologna-Prozess mit seiner Dreiteilung des Studiums wurde als „Quantensprung“ für die Schaffung eines europäischen Forschungs- und Bildungsraumes verkauft. Tatsächlich hat dieser Prozess für eine dramatische Verschulung der Studien gesorgt, hat das Wechseln zwischen Universitäten sogar erschwert und die Frage nach dem Nutzen des Bakkalaureats offen gelassen.

Die Universitäten brauchen jetzt genügend Mittel und nicht Almosen, um ihrer Aufgabe nachzukommen. Das gegenwärtige Kaputtsparen schadet der Gesellschaft und vernichtet unsere Zukunft.

Es sind Studienbedingungen herzustellen, die das Weiterkommen der Studierenden sicherstellen und ihnen auch die Möglichkeit einräumen, eine umfassende Bildung zu erwerben.

Wir brauchen wieder mehr Demokratie an den Universitäten! Nur wenn Studierende, Lehrende und Forschende die notwendige Entwicklung der Universitäten verantwortlich mitgestalten können, tragen sie diese Entwicklung auch mit.

Eine universitätsgerechte Personalstruktur mit attraktiven, leistungsgerechten Stellenangeboten ist die einzige Garantie für eine positive Weiterentwicklung unserer Universitäten.

Der Bologna-Prozess ist zu hinterfragen und die extreme Verschulung der Studien aufzugeben. Die derzeitige Situation verhindert die Aus- und Heranbildung verantwortungsbewusster und selbstständig denkender Absolventinnen und Absolventen.

Wir ersuchen alle Kolleginnen und Kollegen, diese Forderungen mitzutragen und die Studierenden bei ihren Protestaktionen zu unterstützen.

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