Solidaritätserklärung von Studierenden d. Uni Bremen

Solidarität mit den Besetzer_innen in Wien und überall,

der Bolognaprozess hat es geschafft, den gesellschaftlichen Paradigmenwechsel einer wild um sich schlagenden neoliberalen Politik nun auch auf die Hochschulen zu übertragen.

Universitäten werden hierbei immer mehr zu Humankapital produzierenden Fabriken umstrukturiert, sei es durch eine gesellschaftliche Spaltung in Bildungsklassen, in Form von drastisch steigenden Selektionskriterien oder wirtschaftlich diktierten Interessen in Forschung und Lehre durch eine alarmierende Abhängigkeit von Drittmitteln.

Von einem emanzipatorischen und barrierefreien Bildungsanspruch ist nicht einmal im Ansatz die Rede. Der Fehlerkatalog Bologna lässt sich ad infinitum führen.

Doch unsere Kritik ist nicht eine quantitativ begründete Auflistung aller Punkte, die einfach nur falsch oder unzureichend umgesetzt wurden, sondern eine inhaltliche und fundamentale Kritik an einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Unser Kampf gilt somit nicht aussichtslosen Reformen, eines bereits im Ansatz gescheiterten Bildungsprodukts, sondern der kompromisslosen Umwälzung der herrschenden Verhältnisse hin zu einer libertären Gesellschaft, die selbstbestimmtes und solidarisches Lernen, Lehren und Leben ermöglicht, Bedingungen, die Bildung nicht auf einen instrumentalisierten Warencharakter zur Reproduktion bzw. Prekarisierung des
gesellschaftlichen Status Quo, reduziert. Daraus resultierend, lehnen wir jegliche Form des Elitismus zur vermeintlichen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit kategorisch ab. Bildung, der nicht ein gesellschaftlich emanzipatorischer Anspruch zugrunde liegt, widerspricht grundsätzlich unserer Vorstellung von freier und somit kritischer Bildung. Nationalstaatliche Grenzen dürfen nie die Grenzen der Solidarität definieren, denn auch wenn es an anderen Orten nicht Universitätsrechts-Änderungsgesetz heißt, sind es die gleichen systematisch gesellschaftszerstörenden Strukturen, gegen die wir nur gemeinsam solidarisch Widerstand leisten können.

Deshalb erklären wir hiermit unsere uneingeschränkte Solidarität mit den Forderungen der Besetzer_innen in Wien und überall dort, wo der Kampf für ein besseres Leben als ein Kampf gegen den kapitalistisch-menschenverachtenden Normalzustand verstanden wird.

Beste und solidarische Grüße aus Bremen,
Studierende der Uni Bremen