Solidaritätsbekundung des "Augustins"

Augustin und Audimax

Zwischen den Augustin-KolporteurInnen und der Wiener Uni gibt es eine Art stiller Symbiose. «Das G’schäft geht besser, wenn die Studis wieder in der Stadt sind», hören wir immer wieder von unseren VerkäuferInnen. Studierende stimulieren die Auflageentwicklung. Sie geben und sie nehmen: Augustinlektüre hebt ihre Sensibilität für die skandalöse Realität, dass man in dieser Gesellschaft in sozialen Milieus aufwachsen kann, die Bildung im Allgemeinen bzw. speziell die Aussicht auf ein Studium ausschließen. Lebensstandardmäßig liegen sie oft gar nicht so weit auseinander, die Straßenzeitungsmenschen und ihre studierenden jungen StammkundInnen. Bloß akzeptieren Erstere oft von ihrer verworfenen Kindheit an, wie selbstverständlich, ihre Randsituation und entwickelten das Selbstbild des Unbrauchbaren, sodass sie sich heute ohne Genierer mit dem Packerl Augustin als Verlierer outen können, während Letztere ihre aktuelle prekäre finanzielle Situation als eine temporäre (miss-)verstehen: Vielleicht überleben sie ja tatsächlich als KäuferInnen und nicht als künftige VerkäuferInnen des Augustin.

Zum Thema «Augustin und Studentenaufstand» könnte man also leicht ins Schwätzen geraten. Zumal auf dem Feld der Sozialarbeit, dem heimatlichen Gefilde des Augustinprojekts, exakt die gleichen Tendenzen zur Unterordnung unter die Interessen der Wirtschaft, unter die Orientierung auf Messbares, unter den Wettbewerbsgedanken wahrnehmbar sind.

Die Studierenden hatten einst nicht nur den Nulltarif bei Öffis und die Befreiung von Studiengebühren, sondern vor allem die Freiheit, auch das zu studieren, was im Sinn der neoliberalen Wirtschaftseliten «unnützes Wissenszeug» ist. Und die SozialarbeiterInnen hatten Ausbildungsziele, die heute als veraltet gelten: Partei zu ergreifen für ihre «KlientInnen» – und gegen die Verhältnisse, die den Ausschluss der für die Ökonomie «Unbrauchbaren» betreiben.

Rettet das «Unbrauchbare», das könnte unsere gemeinsame Losung sein. Denn dieses ist identisch mit dem Leben.

Der Augustin wünscht euch viel Sitzfleisch und einen langen Atem!

Robert Sommer