Gemeinsame Solidaritätserklärung der Betriebsräte des künstlerischen und wissenschaftlichen Personals aller Universitäten

betriebsräte
der österreichischen universitäten
künstlerisches und wissenschaftliches personal

Die Studentinnen und Studenten der österreichischen Universitäten protestieren zu Recht!

Die Betriebsräte des künstlerischen und wissenschaftlichen Personals der österreichischen Universitäten schließen sich dem Protest der Studierenden an.

Die Betriebsräte sprechen der Protestbewegung größte Anerkennung aus. Es ist gelungen, eine öffentliche Diskussion über die gravierenden Mängel der Bildungs- und Forschungspolitik zu initiieren. Die Proteste werden von den Medien wahrgenommen und die Politik wird gezwungen, sich mit den Problemen endlich auseinanderzusetzen:

  • 2004 wurden die Universitäten in die Autonomie entlassen, aber die dazu nötigen Mittel wurden nicht zur Verfügung gestellt. Die Ausgliederung war gekoppelt an ein Sparpaket, Autonomie bedeutet seither Mangelverwaltung. In der Folge haben sich die Studienbedingungen in etlichen Fächern derartig verschlechtert, dass sinnvolles Studieren nicht mehr möglich ist.
  • Als einzigen Lösungsansatz mittels Zugangsbeschränkungen die Anzahl der Studierenden zu verringern, finden wir phantasielos und unkreativ.
  • Studierende und Lehrende werden mit ihren Anliegen zunehmend nur noch als Kostenfaktoren wahrgenommen.
  • Die Möglichkeiten der Mitbestimmung und Mitgestaltung von Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden weitgehend abgeschafft.
  • Diese kurzsichtige Bildungspolitik hat bewirkt, dass ein hoher Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Universitäten in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt wird.
  • Bis zu 45% der Lehre wird von Lektorinnen und Lektoren bewältigt, die nur stundenweise beschäftigt werden.
  • Die angekündigte Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird dadurch unterlaufen, dass es aus Einsparungsgründen zunehmend Teilzeitbeschäftigungen gibt.
  • Andererseits werden namhafte Ressourcen zur Bewältigung der aufwändigen bürokratischen Anforderungen gebunden, die das Ministerium den Universitäten auferlegt und deren Sinnhaftigkeit in Zweifel gezogen werden muss. Der Verlust dieser Ressourcen geht zu Lasten von Lehre, Forschung und Entwicklung der Künste.
  • Der Bologna- Prozess ist von der Idee der Schaffung eines europäischen Bildungsraumes zu einem bürokratischen Monster verkommen. Statt internationale Mobilität zu schaffen, wird die Studienstruktur verschult, und die angestrebte Flexibilität erstickt im Würgegriff der Bürokratie.

Die Betriebsräte fordern

  • Ein umfassendes bildungspolitisches Konzept für die Universitäten, das diesen Namen auch verdient.
  • Personelle, räumliche und materielle Ressourcen bei freiem Universitätszugang müssen langfristig sichergestellt werden.
  • Bei der Konzeptarbeit sind die Angehörigen der Universitäten einzubinden.

5. November 2009

Kontakt:
Gerhard.loupal@vu-wien.ac.at, ingwald.strasser@meduniwien.ac.at,
susanne.mann@uni-ak.ac.at, martin.tiefenthaler@i-med.ac.at