Archiv für den Monat: März 2010

Resolution der Betriebsversammlung des wissenschaftlichen Personals bzgl. angedrohter Räumung der Aula durch das Rektorat

„Die Universitätsproteste seit vergangenem Herbst haben sehr deutlich
das Bedürfnis der Studierenden gezeigt, unsere Universität aktiv
mitzugestalten. Diese Bereitschaft, sich einzubringen, eigene
Initiativen zu setzen und sich selbstorganisiert Bildung und Wissen zu
erarbeiten, sollte als eine Chance begriffen werden. Eine lebendige
Universität kann nur davon profitieren, wenn sich Studierende nicht als
passive KonsumentInnen von Wissen, sondern als aktive und
verantwortliche Teilhabende an der Gesamtheit von Lehre und Forschung
begreifen.

Eine solche Teilhabe benötigt Räume und Ressourcen, wo sie sich
entfalten kann. Sie benötigt Räume, wo Studierende eigene Seminare oder
Lesekreise organisieren können, Räume, wo selbständig Wissen erarbeitet
und von denen aus dieses Wissen in Praxis umgesetzt werden kann, Räume,
wo Studierende auch während und außerhalb der Kurszeiten verweilen und
einander begegnen können, ohne einem Konsumzwang ausgesetzt zu sein.

Solche Räume sind auf unserer Universität kaum vorhanden. Viele
Institute haben keinerlei Räumlichkeiten für ihre Studierenden, andere
nur kleine Kämmerchen oder Durchgangszimmer. Der Universitätscampus ist
voller kommerzieller Lokale; von Studierenden selbstorganisierte Räume
und Verweilmöglichkeiten gibt es (außer den Büros der Hochschülerschaft)
keine. Umso erfreulicher war es, dass die Universitätsleitung den
Studierenden die Aula in der Folge der Universitätsproteste als
selbstverwalteten Raum zur Verfügung gestellt hat. Mit Bedauern müssen
wir nun feststellen, dass diese von den Studierenden nun wieder
abgegeben werden soll.

Wir sollten uns die Frage stellen, ob es wünschenswert ist, wenn unsere
Studierenden nur zu ihren Kursen auf die Universität kommen, um danach
wieder nachhause zu gehen. Als Lehrende und Forschende der Universität
Wien sind wir überzeugt davon, dass es im Gegenteil eine Bereicherung
wäre, wenn Studierende die notwendigen (räumlichen) Ressourcen und
Möglichkeiten hätten, um sich aktiv einzubringen und so die Universität
auch als ihren eigenen Raum erleben zu können.

Wir fordern dazu auf, nicht nur die Aula dauerhaft als selbstverwalteten
Raum zur Verfügung zu stellen, sondern auch dazu, weitere solche
Räumlichkeiten, wie sie an anderen Universitäten üblich sind, für die
über 85.000 Studierenden der Universität Wien zu schaffen. Dies wäre für
eine lebendige Universität wünschenswert und ein Zeichen dafür, dass
Studierende als integraler Bestandteil der Universität ernst genommen
und geschätzt werden.

Wir fordern ebenso genügend Räume für MitarbeiterInnen der Universität
Wien, insbesondere für LektorInnen und Drittmittelangestellte.“

Räumung des Augartenspitz

Seit gestern wird der Augartenspitz von Securities und der Polizei geräumt. Noch immer verharren einige AktivistInnen auf den Bäumen.
Die Räumung bedeutet eine weitere Beschneidung des öffentlichen Raumes und ist demokratiepolitisch mehr als fragwürdig. Die „Augartenspitzler“ geben nicht auf: Bereits gestern fand eine Demonstration statt; am Donnerstag werden sie auf der Großdemo mit einem eigenen gut sichtbaren Block vertreten sein.

Zeigen wir uns solidarisch mit unseren KollegInnen aus dem Augarten, die uns bis jetzt immer so stark unterstützt haben!

Bilder von der Räumung auf WienTV